Flöten stimmen

Für Blockflöten, Querflöten und Quenas werden nach dem gleichen Prinzip gestimmt.

Hilfreich ist auf alle Fälle ein Stimmgerät. Glaube nicht, du könntest nach Gehör stimmen (außer du hast vielleicht ein absolutes Gehör). Beim Arbeiten hat man es mit so vielen kleinen Nuancen in der Tonhöhe zu tun, dass man schnell vergisst, wie groß das entsprechende Intervall nochmal war.

Wichtig ist, dass man beim Stimmen möglichst mit dem gleichen Atemdruck in das Intstrument bläst, da der Atem einen sehr starken Einfluss auf die Tonhöhe hat. Bei Querflöten und Quenas sollte zudem der Anblaswinkel möglichst ähnlich bleiben, da auch das die Tonhöhe beeinflusst. Das ist gar nicht so einfach, weil man immer wieder versucht ist, schiefe Töne mit dem Atem auszugleichen.

Zuerst nimmt man sich dem Grundton an. Indem man abwechselnd ein Stück vorsichtig kürzt und dann mit dem Stimmgerät abgleicht, wird die Flöte auf den Grundton gestimmt. Je kürzer die Flöte ist, desto höher wird sie. Eine einmal zu viel gekürzte Flöte kann man aber nicht wieder verlängern. Der Knoten am Ende der Flöte sollte auf jeden Fall dranbleiben, da die Flöte sonst beim Bohren der Löcher reißt.

Stimmt der Grundton, kann man sich den Löchern zuwenden. Man sollte dabei versuchen, möglichst nicht in Richtung der Fasern zu schneiden oder schleifen, da der Knöterich gerne und leicht einreißt.

Diese Flöte musste ich mit einem Gummi verarzten, weil sie gerissen war.

Für die Löcher gilt:

Je weiter oben am Instrument, desto höher.

Je größer, desto höher und lauter. Flöten mit einem großen Durchmesser brauchen größere Löcher als Flöten mit einem kleinen Durchmesser.

Natürlich sollten die Löcher auch so liegen, dass man sie gut greifen kann 😉 .

Flöten lassen sich am besten von unten nach oben stimmen. Zunächst bohrt man mit einem Handbohrer ein kleines Loch, dass dann so lange vergrößert wird, bis der Ton hoch genug ist.

Wenn man aus Versehen ein Loch zu viel erweitert hat, kann man es mit etwas Wachs oder Paraffin wieder verschließen. Dazu einfach eine Kerze anzünden, etwas warten, einen Nagel ins flüssige Wachs halten und das flüssige Wachs an den Rand des Lochs schmieren. Wenn das Wachs hart geworden ist, kann man die Stimmung nochmal überprüfen. Es lassen sich so auch kleinere Löcher wieder vollständig verschließen.

Welche Farbe hatte die Kerze wohl… ?

 

Bei den beiden Quenas auf dem Bild sind die Löcher unterschiedlich groß. Das liegt daran, dass sie nach unterschiedlichen Skalen gestimmt sind (Dur und Moll). In Dur ist der Abstand zwischen der zweiten und dritten Stufe etwas größer. Daher ist bei der Durflöte das zweite Loch von recht etwas größer. Man kann sich jede Skala aussuchen. Das Gleiche gilt auch für Intonationssysteme: Wenn es das Stimmgerät erlaubt, kann man seine Flöte auch mitteltönig oder pythagoräisch stimmen.

Richtige Flötenbauer haben natürlich sehr viel kompliziertere Techniken und das Ergebnis ist dann auch dementsprechend besser. 

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Quenas

Die Quena ist eine Bambusflöte aus den Anden. Von einem Profi gespielt klingt sie etwa so: http://www.youtube.com/watch?v=-s9tZcpuU2g

Zuerst sucht man sich ein passendes Stück Knöterich. Es ist wichtig, dass es keine Risse hat.

Je länger das Rohr, desto tiefer wird die Flöte

Je dicker das Rohr ist, desto lauter wird die Flöte.

Je dünner das Rohr, desto stärker die Obertöne (-> überbläst leichter, etwas schärferer Klang).

Es können sich auch ein oder zwei Knoten in dem Stück befinden.

Am dickeren Ende sägt man den Knoten ab, am dünneren Ende lässt man ihn dran und schneidet ca 2-3cm darunter ab. Nun durchsticht man mit einem Stab nacheinander alle Knoten und entfernt sie so gut wie möglich. Eine feine Rundfeile leistet hier gute Dienste. Je glatter die Knoten sind, desto weniger wird der Klang später rauschen.

Die Anblaskante kann man mit einem Messer schnitzen und später noch nachfeilen, bis sie etwa wie auf dem Bild aussieht. Besonders gut klappt es, wenn man immer vom Holz weg feilt.

Nun kommt der wohl schwierigste Teil: Dem Flötchen einen Ton zu entlocken.

Die Quena ist eine Art Blockflöte ohne Block: Bei einer Blockflöte lenkt der Windkanal (also dort wo man hineinbläst) den Luftstrom auf die Schneidekante. Bei der Quena fehlt der Windkanal und man muss versuchen, ihn mit den Lippen selbst „nachzubauen“. Nicht verzweifeln; das kann eine Weile dauern – so wie es beim Flötenbaulehrling auch etwas dauert, bis er gelernt hat, einen Block zu bauen.

Übrigens: mehr Luft oder mehr Druck bringt gar nichts (außer dass einem schwindelig wird), viel wichtiger ist der richtige Anblaswinkel.

Es ist fast unmöglich, eine Kante zu bauen, die nicht funktioniert. Mit dem entsprechenden Ansatz kann man auch einer Gieskanne, dem Mittelstück einer Blockflöte (wenn man die oberen Löcher schließt) oder dem Stängel einer Zucchinipflanze einen Ton entlocken ;)…

Erklingen nun Töne, kann man das Instrument stimmen.

Ähnlich zur Quena ist die japanische Shakuhashi. Sie ist auch aus Bambus, aber aus dem Wurzelstück gemacht: http://de.wikipedia.org/wiki/Shakuhachi

Werkzeug: Laubsäge, Stab, Feilen und Schleifpapier, Messer

Materialien: Knöterich

Grundsätzlich kann man jedes Rohr nehmen, dass man bearbeiten kann und das einen vernünftigen Durchmesser hat. Man kann auch Quenas aus frischen Stängeln von Zucchinis bauen – die Lebensdauer ist allerdings auf ein paar Stunden beschränkt.

Wenn man Bambus, das entsprechende Werkzeug und viel Zeit zur Verfügung hat, kann man sich auch eine echte Bambusquena bauen. Eine Anleitung und viele nützliche Infos dazu: http://www.quena.info/bauen/index.html

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Panflöten

Panflöten sind wohl von allen Flötensorten am einfachsten zu bauen.

Den Knöterich sägt man so zurecht, dass man Rohre erhält, die an einem Ende offen und am anderen Ende geschlossen sind. Wenn man darüberbläst, müsste nun ein Ton zu hören sein – die Pfeife funktioniert!

Mit Schleifpapier oder einer feinen Feile kann man nun die Pfeifen so zurechtkürzen, bis sie die erwünschte Tonhöhe erreicht haben. Hier ist Vorsicht angesagt, weil eine einmal verkürzte Pfeife nicht wieder verlängert werden kann. Außerdem bricht der Knöterich gerne (bevorzugt in Längsrichtung). Auf dem Bild oben sieht man, dass zwei Pfeifen etwas angebrochen sind.

Es gilt:

Je länger eine Pfeife ist, desto tiefer der Ton.

Je dicker eine Pfeife ist, desto lauter der Ton.

Sind nun alle Pfeifen auf die gewünschte Länge zurechtgestutzt, kann man sie mit Draht oder Schnur aneinanderbinden. Damit die Pfeifen nicht durch die Schnur rutschen habe ich mit der Klebepistole noch etwas Kleber über die Pfeifen gemacht.

die fertige Panflöte

und fertig ist die Panflöte!

Es fällt auf, dass die Panflöte eine Oktave tiefer klingt als z.B. eine Blockflöte gleicher Länge. Das liegt daran, dass ein Ende verschlossen ist und das geschlossene Ende wie ein Spiegel für die Schwingungen in der Pfeife wirkt – die Schwingung wird doppelt so lang. Daher erklingt der Ton eine Oktave tiefer. 

Für mehr Infos siehe: Gedackte Pfeifen

 

 

Werkzeug: Laubsäge, Schleifpapier oder feine Feile, Klebepistole

Materialien: Knöterich, Draht

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