Geigenbögen

Streicht man mit dem Geigenbogen über die Saite, haftet die Saite an den Geigenbogen und wird ein Stück mitgenommen. Irgendwann kommt dann der Punkt, dass die Saite so weit von ihrer Ruhelage entfernt ist, dass die Klebekraft zu schwach geworden ist um die Saite weiter mitzunehmen. Wie ein losgelassenes Gummi schnalzt sie zurück, um dort wieder von dem Bogen mitgenommen zu werden. Das passiert sehr oft und so schnell hintereinander, dass ein durchgehender Ton entsteht. Den gesamten Vorgang nennt man Slip-Stick-Effekt. Wenn man es genauer wissen möchte, ist Wikipedia stets zu Diensten: http://de.wikipedia.org/wiki/Stick-Slip-Effekt

Was bedeutet das jetzt für unseren Bogen?

– Er muss kleben! Es gibt ein Harz, Kolophonium, welches auf den Bogen aufgetragen wird. Erst dieses Harz macht die Geige überhaupt spielbar. Auch Drehleierspieler bestreichen ihr Holzrad damit. Man bekommt Kolophonium im Musikgeschäft ab ca. 2€.

– Er soll möglichst eben sein! Ist die Fläche, mit der die Saite angeregt wird, nich ebent, wird der Ton nicht gleichmäßig laut.

Was bedeutet das beim Spielen?

– Es dauert meist eine Weile, bis man die richtige Geschwindigkeit und den richtigen Druck gefunden hat, mit denen man den Bogen streicht. Für jede Saitenstärke und -spannung muss man sie neu finden. Dickere Saiten werden langsamer gestrichen als dünnere. Straff gespannte Saiten werden mit mehr Druck gestrichen als wenig gespannte.

Wenn man mit dem Finger über Weingläser streicht, fangen sie an zu singen. Dafür ist der Slip-Stick-Effekt auch verantwortlich; der Finger klebt an kleinen Unebenheiten im Glasrand. Mit singenden Gläsern kann man ganze Orgeln bauen: http://www.youtube.com/watch?v=XKRj-T4l-e8

Ich habe zwei Lösungen für Bögen gefunden: eine Version aus Plastik und eine mit richtigen Pferdehaaren. Vielleicht kennt jemand noch andere Lösungen

Für einen Plastikbogen braucht man einen längeren, geraden Streifen Plastik (mindestens 25 cm, je länger, desto besser). Am besten nimmt man hartes und durchsichtiges Verpackungsplastik, wie das, wo z.B. Zahnbürsten eingeschweißt sind. Mit einer Papierschneidemaschine schneidet man es gerade. Eine Schere wäre nicht gut, da die Seite, mit der man später streicht, wirklich absolut gerade sein muss. Auf die andere Seite, mit der man später nicht streicht, wird mit der Klebepistole ein Holsstab geklebt, um das Plastik etwas zu stabilisieren. Nun kann man den Bogen mit der Streichseite über das Kolophonium ziehen, bis er ausreichend auf der Saite klebt, um sie zum Klingen zu bringen.

zwei Geigenbögen: der hintere Bogen ist etwas anders gebaut (und kratzt auch mehr)

Hat man gerade keine Saite, kann man ihn auch an einer Säge ausprobieren. Es gibt sogar ein richtiges Instrument, das musical saw oder singing saw heißt: http://www.youtube.com/watch?v=Kmft674XPC0

Material: Plastikstreifen, Holzstab, Kolophonium

Werkzeug: Papierscheidemaschine, Klebepistole

Wenn man es schafft, alte Bogenbespannungen aufzutreiben (z.B. beim Geigenbauer oder bei Geigern fragen), kann man auch einen Bogen aus Pferdehaaren bauen. Er klingt viel besser als der Plastikbogen.

Der Stock auf den die Pferdehaare gespannt werden, sollte leicht, aber stabil sein. Wichtig ist auch, dass er gebogen ist. An den Ende schlitzt man ihn längs etwas auf. Bei Weidenstöcken geht das gut, indem man sie an den Enden etwas ansägt und dann auf das untere Ende hämmert, um den Schlitz zu erweitern. Das Gleiche wiederholt man auf der anderen Seite. Nun kann man die Pferdehaare einspannen: man steckt sie in die Schlitze und wickelt dahinter ein Gummi so fest wie es geht.

Ist der Bogen zu locker gespannt, drückt man beim Spielen an einem Ende den Dauem zwischen Bespannung und Bogenstange. Die Pferdehaare werden noch etwas mit Kolophonium eingestrichen bis sie genug kleben. Dann kann es mit dem Spielen losgehen.

Material: Stab (gebogen, leicht), Bogenbespannung, 2 Gummis, Kolophonium

Werkzeug: Laubsäge, Hammer

Advertisements

Über klangsuche

Während meinem FÖJ hatte ich ein Projekt über "musique verte": Wie stelle ich aus Naturmaterialien und Abfall Musikinstrumente her? Meine Erfahrungen damit möchte ich in dem Blog mit anderen teilen.
Dieser Beitrag wurde unter Saiteninstrumente veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Geigenbögen

  1. Pingback: Wie die Müllgeige gewachsen ist | klangsuche…

  2. Pingback: Dosengitarre | klangsuche…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s